Samstag, 21. März 2009

Blue Mountains

Am Freitag habe ich einen Tagesausflug in die Blue mountains unternommen. Bianca wollte lieber in Sydney bleiben, also bin ich alleine gefahren. Das Angebot ist riesig und ich entschied mich fuer eine Tour, bei der Souvenir Shops gemieden werden und die Gaeste moeglichst viel in der Natur sind.
Tagesausflug in die Blue Mountains westlich von Sydney
Der Kleinbus fuhr circa eine Stunde nach Westen. Dort hat sich unsere bunt gemischte Truppe geteilt und ich bin mit fuenf anderen und einem Tour guide in den Canyon hinabgestiegen zu einer 3-Stunden-Wanderung. Einige Baumarten haben Samen entwickelt, die sich nur durch die Hitze eines Feuers oeffnen. Buschbraende sind fuer ihr Ueberleben also essentiell! In diesem Nationalpark gibt es hundert von insgesamt mehr als 900 verschiedenen Eukalyptusarten. Unterwegs sahen wir einen Lyrebird, einen Leiervogel, aehnlich unserem Pfau. Seinen Schwanz kann er auch zum Rad schlagen, es hat dann eine aehnliche Form wie das Musikinstrument die Leier. Das Weibchen findet es besonders klasse, wenn das Maennchen die "neuesten Hits" singt; der Vogel ahmt gerne andere Vogelstimmen nach und auch Telefonklingeln und Motorsaegengeraeusche hat er imitiert. Ausserdem sahen wir andere Voegel, verschiedene Dragon Lizards und Clawfish (Langustenart) im Gewaesser der Creeks. Die Vegetation aenderte sich rasch zwischen trockenem Eukalyptuswald und kuehl-feuchtem Regenwald. Die Tour war sportlich und ich war froh, meine Wanderstiefel anzuhaben.
Pfad-durch-den-Canyon
Nach der mehrstuendigen Wanderung war ich voellig durchgeschwitzt und ahnte schon den Muskelkater am naechsten Tag. Der Bus fuhr uns zurueck, und als wir unter der Harbour Bridge mit Blick auf das abendlich-wuselige Sydney ankamen, dachte, was fuer eine grossartige Metropole! Abends wollte ich noch unbedingt in Sydneys nightlife, schliesslich war es Freitag abend.
Australischer Weisswein, open air bar, Live Musik mit funky tunes, Unmengen ausgehfreudiger Sydneyaner, die Opera zur linken und die Harbour Bridge zur rechten: ein wahrhaft perfekter Moment.
real nighlife in Sydney: view on the Harbour Bridge, Opera Bar, great funky live music, Australian white wine

Donnerstag, 19. März 2009

Sydney 2: Flughunde und Kakadus

Vier kraeftige verfressene Voegel, dass verursacht Gaensehaut
Anstatt Tiere gucken im Taronga Zoo gab es heute Begegnungen mit Grey-headed Flying Foxes und Kakadus im grosszuegig angelegten Royal Botanical Garden. Hier laufen und fliegen wie selbverstaendlich Ibisse, Mohrhuehner, Papageien und Kakadus. Sie gehoeren hierher und wir finden das sehr exotisch. Wir hoeren Geschrei und Gezeter aus den Baumgipfeln, und ich vermute, es sind Papageienschwaerme oder sonstwas. Aber es sind Flughunde, the grey-headed flying fox, eine der groessten Fledermausarten der Welt. Sie haengen in den Baeumen, ernaehren sich von Feigen und tropischen Baumfruechten, rangeln und fliegen und zetern auch am hellichten Tag. Das Infoblatt der Gartenverwaltung erzaehlt, es sind 1000 bis zu 8000 Tiere, die sich hier mitten in Sydney niedergelassen haben und den Baumbestand gefaehrden und zerstoeren. Der Schaden ist sichtbar: viele Baeume sind schon kahl in ihren Wipfeln. Aber diese grossen Tiere sind nett anzusehen: Nicht alle haengen still schlafend, einige kaempfen, rangeln, fliegen, suchen sich einen neuen Platz zum Abhaengen. Ihr Fell ist roetlich-braun und die Fotografie im Souvenirshop zeigt dass kleine niedliche Gesicht von nahem: doch, wie ein junger Fuchs.
Einen anderen Teil in der Parkanlage beherrschen die weissen Kakadus mit ihren gelben Irokesen-Kronen. Anfangs setzen sie sich nicht gerade fotogen geschweige denn nah vor die Linse und wir aergern uns beide, kein Teleobjektiv mitgenommen zu haben. An anderer Stelle sitzen zwei junge Maenner auf dem Rasen und es sieht aus, als haetten sie die Voegel trainiert. Die Kakadus sitzen auf Schultern und Koepfen und fressen Vogelfutter aus der Hand. Einer der beiden Maenner fragt mich, ob er ein Foto von mir mit den Kakadus machen soll. Erst zoegere ich, aber kaum habe ich Futter in der ausgestreckten Hand, sitzt mir schon einer der nicht gerade kleinen Voegel mit kraeftigen Krallen auf dem Arm und pickt. Ein anderer sitzt auf dem Kopf oder der Schulter, ein dritter dann auf dem anderen Arm. Das ist ungewohnt und verursacht eine Gaensehaut, aber es ist lustig. Der Herr macht nette Bilder.

Gestern: Erkundung vom pittoreskem, historischen Stadtteil The Rocks, das sehr gefaellt. Imposant: der Platz unter der Harbour Bridge, einem wirklich beeindruckendem Bauwerk. Blick auf das Opera House. Das Statdzentrum: voller Kontraste. Alt neben neu, zwei-stoeckig neben Wolkenkratzer, historisches neben Millenium.

Dienstag, 17. März 2009

Sydney 1

Auch auf der Suedhalbkugel geht die Sonne im Osten auf. Eine leise, farbige, friedvolle Vorsonnenaufgangs-Stimmung begleitet den Landeanflug auf Sydney. Fuer mich beginnt hier Neuland! Die Einreisebedingungen sind streng: neben den ueblichen unerwuenschten Dingen darf man keine Nahrung mitbringen, Kraeuter, Dosenfutter, Tiere, Dosentiere, Wanderstiefel, an der noch Erde klebt von der letzten nicht kuerzer als 30 Tage zurueckliegenden Reise im sumpfigen Frischwassergebiet, Angelutensilien und und und. Ich habe das alles nicht dabei und darf unter freundlichen Kommentaren der Zoll-, Flughafen- und Quarantaene-Beamten (She`s got a green shirt on for St. Patricks day, are you Irish?) einreisen.
Endlich hier!
Der gedruckte Reisefuehrer erzaehlte mir etwas von freiem Shuttleservice fuer Qantas-Passagiere. Aber die freundliche Frau des Informationsschalters klaert mich auf, dass hier doch alles was kostet und wir koennen waehlen zwischen Taxi, Airport-Shuttle und Bahn.
Hier ist es Sommer. Angenehme Temperaturen, trocken, untropisch im Vergleich zu Singapur. Das Hotel liegt zentral, und wir beziehen erstmal unser Zimmer, bevor wir im Coffeeshop ein paar Schritte weiter um 9 Uhr morgens ein Fruehstuck einnehmen. Lebten und arbeiteten wir hier, wuerden wir vielleicht zur gleichen Zeit hier einkehren. Und dann um 9.30 in die Agentur gehen, z.B. Ogilvy, zum Briefing-Termin fuer die naechste Kampagne. Nur so eine Idee. Vielleicht besuchen wir tatsaechlich mal Biancas Ex-Kollegin dort. So, jetzt noch ein bisschen ausruhen im Hotelzimmer... Nicht nur die verschobenen, auch die vielen fehlenden Schlafstunden seit dem Abend vor der Abreise und meine leider mitgebrachte Erkaeltung - sie hat die strengen Einreisekontrollen muehelos ueberwunden - machen sich jetzt geballt bemerkbar und ich kaempfe mittags um 12 nicht mehr gegen das Schlafbeduerfnis an, sondern ruhe ein paar Stunden, waehrend Bianca schon Strassen und Parks erkundet. Um halb drei ziehe ich auch los, will nur kurz raus, Geld ziehen und Tee trinken im Hyde Park. Aber die Stadt ist wie geschaffen fuers Sichtreibenlassen. Ich gucke kurz ins Australian Museum rein, lese Zeitung im Park, beobachte schnabelauffaellige Ibisse, lausche dem Strassenmusiker, esse Spring Rolls mit scharfer Sosse und bewundere oppulente Architektur aus vergangenen Jahrhunderten. Und habe wahrscheinlich gerade mal einen Bruchteil von downtown gesehen.

Singapur

Nach mehr als elf Stunden Flug kommen wir abends in Singapur an. Vertraute feuchtwarme Luft und der typische Geruch von Nelkenzigaretten begruesst mich, als ich aus dem klimatisierten Flughafengebaeude trete. Noch ist es hell und auf der Fahrt zum Hotel im pittoreskem Little India sehe ich ueppigste tropische Vegetation, recreational areas und Wohnburgen in einem Architekturstil, den ich nicht zuordnen kann. Neo-Irgendwas. Die Lage des Hotels ist angenehm, ruhig und doch in einer der wenigen uebriggebliebenen urspruenglichen Stadtvierteln. Ich vermute, das Wort Multikulti gibt es hier nicht, denn Singapur besteht aus jeher verschiedenen (und jetzt fehlt mir das politisch korrekte Wort: Ethnien, Voelkern, Staemmen?). Abends streunen wir durchs Viertel, mit ungewohnt leichter Kleidung und offenen Schuhen. In der offenen chinesischen Garkueche weckt ein Schwarztee mit dicker suesser Milch meine Lebensgeister und erinnert mich an meine letzten Asienreise vor drei Jahren. Ein paar Strassen weiter erfreuen die asiatischen Koestlichkeiten eines Food Court unsere Gaumen: Dim Sum, kleine gefuellte, gedaempfte Teigtaschen und Satey-Spiesse. Sehr koestlich!
Aufgrund der Zeitverschiebung sind unsere Muede-und-Wach-Zeiten schoen durcheinandergekommen. Ein bisschen wollen wir doch von der Stadt sehen, und so reisst uns das Weckerkligeln um 10 Uhr, gefuehlte 3-Uhr-nachts, aus dem spaet gefundenen Schlaf. Da es in diesem Viertel nur indisches oder chinesisches Fruehstueck gibt, nehmen wir die U-Bahn 4 Stationen weiter nach Orchard, der Hotel- und Shoppingmeile der Stadt, um in einer globalisierten amerikanischen Kaffeeketten-Dependence Kaffee und Gebaeck zu uns zu nehmen, was leider oder zum Glueck sehr vertraut ist. Ich weiss nicht, was das Erinnerungsvermoegen so mit einem macht, aber waren die Baeume hier schon immer so gross und ueppig?
rain, rain, beautiful rain, in Singapore
Wir sitzen draussen unter einem Schirm, als es anfaengt zu regnen. Starker, erbarmungsloser, lauter Tropenregen, der auch mal nach einer halben Stunde vorbei sein kann. Aber nicht ist, sondern nur noch lauter und heftiger wird, und wir muessen nicht ueberlegen, was machen wir jetzt, da der Regen fuer uns entscheidet, bleibt mal schoen sitzen im Trockenen. Als es nachlaesst, gehen wir weiter Richtung Tanglin Shopping Centre, ein mir aus den 70er Haren vertrautes Gebaeude. Hier war damals das Lufthansa-Stadtbuero meines Vaters. Nebenan amuesiert mich die Fisch-Fuss-Massage: Der Besucher setzt sich auf eine Bank und haelt die nackten Fuesse in ein Aquarium. Kleine Fischschwaerme erfreuen sich an den Hautschuppen, die sie abknabbern. 38 Singapurdollar (ca. 20 Euro) fuer 30 Minuten.
Waere die Notgemeinschaft Flugpassagiere ein Schulklasse, so waren es die Klassenclowns, neben denen ich abends im Flieger nach Sydney sass. Zwei sehr junge Deutsche mit Strohhueten, die viel Bier tranken und nicht gerade leise waren. Ich weiss nicht, ob ich die Dinge, die sie mir erzaehlten, wirklich wissen wollten. Nach 7 Stunden Flug klatschten sie laut bei der Landung und einer rief in die Menge, ich bin so froh, hier zu sein. Irgendwie auch niedlich.

Donnerstag, 12. März 2009

Vokabeln lernen

Meine Chorschwester hat den Kontinent schon mehrmals bereist und weiß, mit welchen Worten ich mich unauffällig unter die Bevölkerung mische:

"Hey I'm Barbara, the nice Sheila from Germany, Hamburg.
Already packed my bathers and thongs. Also need a frock?
Just love VB, meatpies and Vegemite. Bonzer!!!
My favourite pets are crocs, troo blue roos and Koalas.
Lets throw another shrimp on the barbie. Won't kick the bucket before I see OZ. Your German Galah!"

Dienstag, 3. März 2009

Die Reiseroute

Die-Reiseroute
Die geplanten Stationen der Australien-Reise:
15./16. März Singapur
17. März Sydney
23. März Darwin, mit Tour zum Kakadu National Park
30. März Brisbane
3.-14. April mit dem Leihwagen von Brisbane nach Mackay
14. April Cairns, Tauchen im Great Barrier Reef
26. April Rückflug

Freitag, 27. Februar 2009

Die Vorbereitungen für Ganzweitweg

Waren die beiden denn jetzt schon downunder?

Da möchte man meinen, nur die Asiaten haben seltsame Übersetzungen bei Gebrauchsanweisungen. Nein, auch die Australier können es - nicht. Bei der Suche nach einem Hotel in Darwin finde ich folgende Beschreibung:

"The Cavenagh hotel Darwin
Eben im August 2002 erneuert, The Cavenagh bietet Darwin absolut die beste Etatanpassung in Darwin an. Gefunden im Herzen der Stadt, ist The Cavenagh der Throw eines Steins vom hastenden Smith Straße Mall, Zustand-Quadrat und der Hauptdas einkaufen Stadt und der Nachtklubbezirk. Die Mannschaft ist alle herausgegangen, zum du sicherzustellen haben Zugang zu allem Service, den du eine sehr große Zeit während deines Aufenthalts haben mußt. Es gibt keinen Zweifel, daß du einen Stapel Zeit lungernd durch unsere erstaunliche Lache verbringst. Ein kaltes Bier vom Stab ergreifen und herauf die Sonne tränken, herauf eine Mahlzeit auf dem Lache Grill kochen oder etwas von der besten Nahrung in der Stadt in unserer im Freien Gaststätte genießen."
So, und was heißt das jetzt? Vielleicht verstehe ich es, wenn ich den Text wortwörtlich ins Englische zurück übersetze...

Noch 2 Wochen und ein Tag.
Dann reise ich nach Ganzweitweg.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Paparazzo

Ein Paparazzo bekommt für ein Foto, dass Sting zeigt, wie er gerade aus einem Hamburger Puff kommt, so viel Geld, dass er entspannt einige Zeit davon leben kann. Und mir großzügig im inzwischen Stammlokal eine handgeschöpfte Trinkschokolade und anschließend eine leckeren Rioja, hier neu im Programm, ausgeben kann. Mit der höflichen Sie-Form spricht er mich an. Die schnell folgende Frage nach dem Beruf wende ich erfolgreich ab und wir kommen auf sein Fotografen-Vorbild Helmut Newton zu sprechen. Der ist mit seinem Frauenbild doch in den Achtzigern stehengeblieben, meine ich. Minutenlang sinniert er über die Big Nudes, die ihn damals fasziniert und seine Spielsucht beendet haben. Der Zufall will es, dass ich erst vor drei Tagen besagte Fotos in der Hand hatte und mir das Doppelfoto genau angesehen habe. So, Newton ist also dein Vorbild, sage ich zum Getränkebezahler. Du weißt genau, welches Bild er wann mit welcher Kamera und Einstellung gemacht hat. Ok. Was fällt dir auf, wenn du beide Bilder vergleichst? Die Damen haben doch versucht, die exakte Pose einmal nackt und einmal angezogen einzunehmen. Also, ist es Absicht oder ein dummer Anschlußfehler, dass die zweite Frau von rechts einmal das linke und auf dem anderen Bild das rechte Bein vorne hat? Er weiß keine Antwort.
Aber er kann mir erklären, dass die Schlieren und Tropfen, die beim Weinglas-Schwenken träge die Innenseite vom Glas herunterlaufen, den Alkoholgehalt anzeigen. Ich freue mich über diese neue Erkenntnis. Bei meinem Rioja sind die Tropfen normal groß, bei seinem Havanna Club viel breiter. Irgendwann fällt ihm auf, dass er viel mehr redet als ich. Ich bin eben nicht unhöflich und falle ins Wort, entgegne ich.
Und deine Paparazzo-Quellen? Ja, der Informant. Der kann auch eine Weile entspannt leben. Er bekommt 50 Prozent.

Samstag, 27. Oktober 2007

Protokoll von Herrn Attigs Allstars-Abend

Irgendwann muss man ja mal anfangen. Zum Beispiel mit so einem herbstlichen Konzerthighlight im gestrigen Birdland. Herr Attig rief und alle kamen. Eine Hommage an Jaco Pastorius. Erst schlotterten dem Herrn mit der Mütze die Knie, weil das Einstiegsstück, Bass und Conga, eine Premiere war. Ein sehr volles Birdland, bekannte Gesichter und trotzdem mal ein angenehm anderes Publikum als sonst zu den Vocal Sessions. Der Meister des Abends hat eine angenehme, kurzweilige Art, die Stücke anzumoderieren. Ein bisschen trockner Humor, ein wenig Helge Schneider, meint die Freundin der Sehfrau. Ich habe das Gefühl, Herr Attig beginnt einen Satz und hat dabei nicht einen Hauch von Ahnung, wie er ihn beenden wird. Sympathisch und gekonnt. Zum Stück „Denia“ erzählt er, wie er seinem Vorbild vor Jahrzehnten nach Köln hinterhergereist ist und wie er ihm eine Bassfolge vorsang. Das Idol nahm sich die Zeit und schrieb ihm eigenhändig ein Leadsheet auf. Die Bühne füllte sich mit Saxofon, Trompete, Gitarre, Keyboard und Schlagzeug. Das waren schon fast alle Allstars. Es folgten ein zunächst namenloser, dann mit „Continuum“ bezeichneter Klangteppich, Gesang von Robbie Smith und Lina bei „I can dig it baby“, das Lied zum frisch beflockten Konzert-T-Shirt, „Microcosm“, und schließlich „Element people“ von der Fusion-Formation Weather Report.

Hommage an Jaco Pastorius

PAUSE.
Inzwischen herrschen im Raum sauna-ähnliche Zustände. Der Herr neben mir trägt noch immer einen Rollkragenpulli, die Musiker setzen ihre Mützen nicht ab und ich versuche, mich nicht mehr als nötig zu bewegen, um nicht noch mehr Wärme zu erzeugen.
Christian von Richthofen eröffnet das zweite Set. Auf seine Art. Scatgesang und Percussion auf Birdlandmöbel und -wände, so lange und so laut, bis er sich Gehör verschafft. Ich kann ihn nicht recht einschätzen und habe zunächst die Vermutung, dass er mehr Einsatz bringt als es dem Meister des Abends recht ist, aber als Bass und Schlagzeug im richtigen Moment stimmgewaltig einsetzen, erhält Herr von Richthofen seinen verdienten Applaus. Der Mann ist präzise und einfach großartig. Es folgt ein tierischer Schlagabtausch zwischen Jürgen, Christian und Marcio, dem Percussionisten. Im zweiten Lied „Las Olas“ hat das Publikum die grandiose Idee, das Meeresrauschen anfangs zu imitieren, da es ja so auch auf der Platte ist. Lina singt wieder und zusätzlich am keyboard kommt jetzt Simon Grey hinzu, ein ehemaliger Incognito-Mitstreiter. Klar, dieser Musikerkollege darf hier nicht fehlen. Das sind alles so sympathische Menschen, die der Bassist um sich scharrt. Das nächste Stück beginnt mit einem besonderen Percussion-Solo, dazu kommt Bass und der König-der-Löwen-Kollege Dieter Ring spielt Horn. Ja, die rechte Hand muss in das Horn greifen. Wieder was dazu gelernt. Aber so oft sieht man aktive Hornisten ja auch nicht im Stadtbild. Zum nächsten Stück versammelt sich ein Bläser-Ensemble auf der Galerie, Robbie singt wieder und jetzt kommen die real funky tunes. It‘s very hot in here. Eine Notiz an Holger: so eine Kopfbedeckung könnte ein Merkmal von musikalischem Erfolg sein. Mütze, Kopftuch, Hut. Oder so. Dann folgt „Three women“ als schnulzig aber schön angekündigt, mit besonderen Klavierakkorden von Boris, so schön, dass ich es sofort noch mal hören möchte. Dann singen Christian und Lina und ich mit meinem Viertelwissen fühle mich an Pat Metheny erinnert. Ich werde gleich mal die Schallplatte dazu raussuchen. Zum Schluss folgt ein Doppelstück, das mit einem wahrhaft musikalischem Höhepunkt endet. Herr Attig, eine hervorragende Dramaturgie, äh... Choreographie, äh... na Reihenfolge eben! Der Interpret lässt sich zum Glück nicht lange bitten und gibt eine ungewöhnlich Zugabe: Forgotten love, er am Kontrabass mit vier Streichern. Wieder so schön, dass ich es sofort erneut hören möchte. Mit der zweiten Zugabe, bei der Herr Attig ausnahmsweise singt, endet das Highlight.

SCHLUSS.
Ich gratuliere dem verschwitzten und sichtbar erschöpften Herrn Attig zu diesem Abend. Eine kleine Runde, bestehend aus einem Mann, drei Frauen, einem Osborne, einem Martini rosso und einem O-Saft mag sich so gar nicht recht auflösen, da sie noch ein wenig von den guten Vibrationen aufsaugen möchten. Der Herr macht noch ein paar Fotos, die jedoch rein gar nichts beweisen. War schön.

Sieht so eine glückliche Konzertbesucherin aus?

Heute in zwanzig Jahren

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„In 20 Jahren werden Sie eher enttäuscht sein, bestimmte Dinge nicht getan zu haben, als bestimmte Dinge getan zu haben. Werfen Sie die Bulinen ab. Verlassen Sie den sicheren Hafen. Nutzen Sie den Wind in Ihren Segeln. Erforschen. Träumen. Entdecken.“
Twain

Ich weiß nicht, ob der Text von Mark Twain oder einem anderen ist. Vielleicht hat sich ein Programmierer einfach was ausgedacht. Egal. Heute in zwanzig Jahren ist Oktober 2027. Ich will dann nicht enttäuscht sein über nicht getane Dinge. Los gehts.

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