Samstag, 27. Oktober 2007

Protokoll von Herrn Attigs Allstars-Abend

Irgendwann muss man ja mal anfangen. Zum Beispiel mit so einem herbstlichen Konzerthighlight im gestrigen Birdland. Herr Attig rief und alle kamen. Eine Hommage an Jaco Pastorius. Erst schlotterten dem Herrn mit der Mütze die Knie, weil das Einstiegsstück, Bass und Conga, eine Premiere war. Ein sehr volles Birdland, bekannte Gesichter und trotzdem mal ein angenehm anderes Publikum als sonst zu den Vocal Sessions. Der Meister des Abends hat eine angenehme, kurzweilige Art, die Stücke anzumoderieren. Ein bisschen trockner Humor, ein wenig Helge Schneider, meint die Freundin der Sehfrau. Ich habe das Gefühl, Herr Attig beginnt einen Satz und hat dabei nicht einen Hauch von Ahnung, wie er ihn beenden wird. Sympathisch und gekonnt. Zum Stück „Denia“ erzählt er, wie er seinem Vorbild vor Jahrzehnten nach Köln hinterhergereist ist und wie er ihm eine Bassfolge vorsang. Das Idol nahm sich die Zeit und schrieb ihm eigenhändig ein Leadsheet auf. Die Bühne füllte sich mit Saxofon, Trompete, Gitarre, Keyboard und Schlagzeug. Das waren schon fast alle Allstars. Es folgten ein zunächst namenloser, dann mit „Continuum“ bezeichneter Klangteppich, Gesang von Robbie Smith und Lina bei „I can dig it baby“, das Lied zum frisch beflockten Konzert-T-Shirt, „Microcosm“, und schließlich „Element people“ von der Fusion-Formation Weather Report.

Hommage an Jaco Pastorius

PAUSE.
Inzwischen herrschen im Raum sauna-ähnliche Zustände. Der Herr neben mir trägt noch immer einen Rollkragenpulli, die Musiker setzen ihre Mützen nicht ab und ich versuche, mich nicht mehr als nötig zu bewegen, um nicht noch mehr Wärme zu erzeugen.
Christian von Richthofen eröffnet das zweite Set. Auf seine Art. Scatgesang und Percussion auf Birdlandmöbel und -wände, so lange und so laut, bis er sich Gehör verschafft. Ich kann ihn nicht recht einschätzen und habe zunächst die Vermutung, dass er mehr Einsatz bringt als es dem Meister des Abends recht ist, aber als Bass und Schlagzeug im richtigen Moment stimmgewaltig einsetzen, erhält Herr von Richthofen seinen verdienten Applaus. Der Mann ist präzise und einfach großartig. Es folgt ein tierischer Schlagabtausch zwischen Jürgen, Christian und Marcio, dem Percussionisten. Im zweiten Lied „Las Olas“ hat das Publikum die grandiose Idee, das Meeresrauschen anfangs zu imitieren, da es ja so auch auf der Platte ist. Lina singt wieder und zusätzlich am keyboard kommt jetzt Simon Grey hinzu, ein ehemaliger Incognito-Mitstreiter. Klar, dieser Musikerkollege darf hier nicht fehlen. Das sind alles so sympathische Menschen, die der Bassist um sich scharrt. Das nächste Stück beginnt mit einem besonderen Percussion-Solo, dazu kommt Bass und der König-der-Löwen-Kollege Dieter Ring spielt Horn. Ja, die rechte Hand muss in das Horn greifen. Wieder was dazu gelernt. Aber so oft sieht man aktive Hornisten ja auch nicht im Stadtbild. Zum nächsten Stück versammelt sich ein Bläser-Ensemble auf der Galerie, Robbie singt wieder und jetzt kommen die real funky tunes. It‘s very hot in here. Eine Notiz an Holger: so eine Kopfbedeckung könnte ein Merkmal von musikalischem Erfolg sein. Mütze, Kopftuch, Hut. Oder so. Dann folgt „Three women“ als schnulzig aber schön angekündigt, mit besonderen Klavierakkorden von Boris, so schön, dass ich es sofort noch mal hören möchte. Dann singen Christian und Lina und ich mit meinem Viertelwissen fühle mich an Pat Metheny erinnert. Ich werde gleich mal die Schallplatte dazu raussuchen. Zum Schluss folgt ein Doppelstück, das mit einem wahrhaft musikalischem Höhepunkt endet. Herr Attig, eine hervorragende Dramaturgie, äh... Choreographie, äh... na Reihenfolge eben! Der Interpret lässt sich zum Glück nicht lange bitten und gibt eine ungewöhnlich Zugabe: Forgotten love, er am Kontrabass mit vier Streichern. Wieder so schön, dass ich es sofort erneut hören möchte. Mit der zweiten Zugabe, bei der Herr Attig ausnahmsweise singt, endet das Highlight.

SCHLUSS.
Ich gratuliere dem verschwitzten und sichtbar erschöpften Herrn Attig zu diesem Abend. Eine kleine Runde, bestehend aus einem Mann, drei Frauen, einem Osborne, einem Martini rosso und einem O-Saft mag sich so gar nicht recht auflösen, da sie noch ein wenig von den guten Vibrationen aufsaugen möchten. Der Herr macht noch ein paar Fotos, die jedoch rein gar nichts beweisen. War schön.

Sieht so eine glückliche Konzertbesucherin aus?

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