Dienstag, 17. März 2009

Sydney 1

Auch auf der Suedhalbkugel geht die Sonne im Osten auf. Eine leise, farbige, friedvolle Vorsonnenaufgangs-Stimmung begleitet den Landeanflug auf Sydney. Fuer mich beginnt hier Neuland! Die Einreisebedingungen sind streng: neben den ueblichen unerwuenschten Dingen darf man keine Nahrung mitbringen, Kraeuter, Dosenfutter, Tiere, Dosentiere, Wanderstiefel, an der noch Erde klebt von der letzten nicht kuerzer als 30 Tage zurueckliegenden Reise im sumpfigen Frischwassergebiet, Angelutensilien und und und. Ich habe das alles nicht dabei und darf unter freundlichen Kommentaren der Zoll-, Flughafen- und Quarantaene-Beamten (She`s got a green shirt on for St. Patricks day, are you Irish?) einreisen.
Endlich hier!
Der gedruckte Reisefuehrer erzaehlte mir etwas von freiem Shuttleservice fuer Qantas-Passagiere. Aber die freundliche Frau des Informationsschalters klaert mich auf, dass hier doch alles was kostet und wir koennen waehlen zwischen Taxi, Airport-Shuttle und Bahn.
Hier ist es Sommer. Angenehme Temperaturen, trocken, untropisch im Vergleich zu Singapur. Das Hotel liegt zentral, und wir beziehen erstmal unser Zimmer, bevor wir im Coffeeshop ein paar Schritte weiter um 9 Uhr morgens ein Fruehstuck einnehmen. Lebten und arbeiteten wir hier, wuerden wir vielleicht zur gleichen Zeit hier einkehren. Und dann um 9.30 in die Agentur gehen, z.B. Ogilvy, zum Briefing-Termin fuer die naechste Kampagne. Nur so eine Idee. Vielleicht besuchen wir tatsaechlich mal Biancas Ex-Kollegin dort. So, jetzt noch ein bisschen ausruhen im Hotelzimmer... Nicht nur die verschobenen, auch die vielen fehlenden Schlafstunden seit dem Abend vor der Abreise und meine leider mitgebrachte Erkaeltung - sie hat die strengen Einreisekontrollen muehelos ueberwunden - machen sich jetzt geballt bemerkbar und ich kaempfe mittags um 12 nicht mehr gegen das Schlafbeduerfnis an, sondern ruhe ein paar Stunden, waehrend Bianca schon Strassen und Parks erkundet. Um halb drei ziehe ich auch los, will nur kurz raus, Geld ziehen und Tee trinken im Hyde Park. Aber die Stadt ist wie geschaffen fuers Sichtreibenlassen. Ich gucke kurz ins Australian Museum rein, lese Zeitung im Park, beobachte schnabelauffaellige Ibisse, lausche dem Strassenmusiker, esse Spring Rolls mit scharfer Sosse und bewundere oppulente Architektur aus vergangenen Jahrhunderten. Und habe wahrscheinlich gerade mal einen Bruchteil von downtown gesehen.

Singapur

Nach mehr als elf Stunden Flug kommen wir abends in Singapur an. Vertraute feuchtwarme Luft und der typische Geruch von Nelkenzigaretten begruesst mich, als ich aus dem klimatisierten Flughafengebaeude trete. Noch ist es hell und auf der Fahrt zum Hotel im pittoreskem Little India sehe ich ueppigste tropische Vegetation, recreational areas und Wohnburgen in einem Architekturstil, den ich nicht zuordnen kann. Neo-Irgendwas. Die Lage des Hotels ist angenehm, ruhig und doch in einer der wenigen uebriggebliebenen urspruenglichen Stadtvierteln. Ich vermute, das Wort Multikulti gibt es hier nicht, denn Singapur besteht aus jeher verschiedenen (und jetzt fehlt mir das politisch korrekte Wort: Ethnien, Voelkern, Staemmen?). Abends streunen wir durchs Viertel, mit ungewohnt leichter Kleidung und offenen Schuhen. In der offenen chinesischen Garkueche weckt ein Schwarztee mit dicker suesser Milch meine Lebensgeister und erinnert mich an meine letzten Asienreise vor drei Jahren. Ein paar Strassen weiter erfreuen die asiatischen Koestlichkeiten eines Food Court unsere Gaumen: Dim Sum, kleine gefuellte, gedaempfte Teigtaschen und Satey-Spiesse. Sehr koestlich!
Aufgrund der Zeitverschiebung sind unsere Muede-und-Wach-Zeiten schoen durcheinandergekommen. Ein bisschen wollen wir doch von der Stadt sehen, und so reisst uns das Weckerkligeln um 10 Uhr, gefuehlte 3-Uhr-nachts, aus dem spaet gefundenen Schlaf. Da es in diesem Viertel nur indisches oder chinesisches Fruehstueck gibt, nehmen wir die U-Bahn 4 Stationen weiter nach Orchard, der Hotel- und Shoppingmeile der Stadt, um in einer globalisierten amerikanischen Kaffeeketten-Dependence Kaffee und Gebaeck zu uns zu nehmen, was leider oder zum Glueck sehr vertraut ist. Ich weiss nicht, was das Erinnerungsvermoegen so mit einem macht, aber waren die Baeume hier schon immer so gross und ueppig?
rain, rain, beautiful rain, in Singapore
Wir sitzen draussen unter einem Schirm, als es anfaengt zu regnen. Starker, erbarmungsloser, lauter Tropenregen, der auch mal nach einer halben Stunde vorbei sein kann. Aber nicht ist, sondern nur noch lauter und heftiger wird, und wir muessen nicht ueberlegen, was machen wir jetzt, da der Regen fuer uns entscheidet, bleibt mal schoen sitzen im Trockenen. Als es nachlaesst, gehen wir weiter Richtung Tanglin Shopping Centre, ein mir aus den 70er Haren vertrautes Gebaeude. Hier war damals das Lufthansa-Stadtbuero meines Vaters. Nebenan amuesiert mich die Fisch-Fuss-Massage: Der Besucher setzt sich auf eine Bank und haelt die nackten Fuesse in ein Aquarium. Kleine Fischschwaerme erfreuen sich an den Hautschuppen, die sie abknabbern. 38 Singapurdollar (ca. 20 Euro) fuer 30 Minuten.
Waere die Notgemeinschaft Flugpassagiere ein Schulklasse, so waren es die Klassenclowns, neben denen ich abends im Flieger nach Sydney sass. Zwei sehr junge Deutsche mit Strohhueten, die viel Bier tranken und nicht gerade leise waren. Ich weiss nicht, ob ich die Dinge, die sie mir erzaehlten, wirklich wissen wollten. Nach 7 Stunden Flug klatschten sie laut bei der Landung und einer rief in die Menge, ich bin so froh, hier zu sein. Irgendwie auch niedlich.

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